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EM in Frankreich: Setzen die Weltmeister noch einen oben drauf?

Mit dem WM-Titel 2014 in Rio de Janeiro haben sich Bastian Schweinsteiger und Co. ein Denkmal gesetzt. Folgt jetzt bei der EURO in Frankreich der zweite Streich? Vieles spricht für die DFB-Elf. Als größter Konkurrent gilt der Gastgeber. Wir haben alle Top- und Geheimfavoriten auf ihre Chancen gecheckt.

Schafft er es noch einmal? Löw will mit seinen Weltmeistern auch Europameister werden. Foto: Tomasz Bidermann – 308049344 / Shutterstock.com

Joachim Löw führte Deutschland zum WM-Titel in Brasilien und will jetzt auch den EM-Titel

Am Dienstag hat Joachim Löw seinen vorläufigen Kader nominiert. 27 Spieler, von denen 23 mit einer klaren Mission nach Frankreich reisen werden: Der vierte EM-Titel für Deutschland soll nach Hause gebracht werden. Als Weltmeister ist die DFB-Elf natürlich Titelanwärter. 42 Prozent der deutschen Fans glauben an den Titel, wie eine repräsentative N24-Emnid-Umfrage ergab. Doch haben Jogis Jungs auch ohne die Altmeister Klose, Lahm oder Mertesacker das Zeug zum Titel? Und wer sind die Konkurrenten? Wir haben den Top-Teams auf den Zahn gefühlt.

Deutschland: Keine großen Experimente beim Weltmeister

Es war keine große Überraschung, dass sich im vorläufigen Kader von Joachim Löw 14 Weltmeister wiederfanden. Sie sind das Gerüst der Mannschaft: Im Tor ist Manuel Neuer gesetzt, die Innenverteidigung aus Jerôme Boateng und Mats Hummels wird im ersten EM-Spiel (am 12. Juni gegen die Ukraine) dieselbe sein wie im WM-Finale 2014 gegen Argentinien. In der Zentrale dürften wieder Toni Kroos, Sami Khedira und Mesut Özil die Fäden ziehen, während hinter der Teilnahme des dauerverletzten Kapitäns Bastian Schweinsteiger noch ein großes Fragezeichen steht. Der Held von Rio de Janeiro befindet sich nach einer Knieverletzung erst im Aufbautraining, ob es für ihn reicht und vor allem, ob er seinem Team dann besser helfen kann als ein fitter Kroos oder Khedira, ist mehr als unsicher. Vorne sollen Thomas Müller und Mario Götze für die wichtigen Tore sorgen, wobei nur ersterer seinen Stammplatz sicher hat.

Das sind die erfahrensten Spieler im EM-Kader

Spieler Länderspiele
Lukas Podolski 127
Bastian Schweinsteiger 114
Mesut Özil 72
Thomas Müller 70
Toni Kroos 64
Manuel Neuer 64
Mario Gomez 62

 

Zu diesem Gerüst gesellen sich in Marco Reus oder Mario Gomez prominente Rückkehrer, die beim Turnier in Brasilien aufgrund von Formschwäche (Gomez) oder Verletzung (Reus) zuschauen mussten. Doch auch ein paar neue Gesichter finden sich im Aufgebot: Julian Weigl (Borussia Dortmund), Joshua Kimmich (FC Bayern), Julian Brandt und Bernd Leno (beide Bayer Leverkusen) reisen ohne A-Länderspiel ins Trainingslager. Dazu kommen in Leroy Sané (Schalke), Jonas Hector (Köln) oder Karim Bellarabi (Leverkusen) Spieler, die ihr Debüt erst nach der WM gefeiert haben. Der einzige wirklich schmerzhafte Ausfall ist der von Ilkay Gündogan, der nach einer überragenden Saison bei Borussia Dortmund Startelf-Kandidat gewesen wäre, jetzt aber verletzt zuschauen muss – wie auch schon 2012 und 2014.

WM-Held und Kapitän Schweinsteiger muss um seinen Platz in der DFB-Elf bangen

In Rio war er der Held, aber kann der dauerverletzte Schweinsteiger auch 2016 noch helfen? Foto: Jefferson Bernardes – 208128013 / Shutterstock.com

Nichtsdestotrotz kann der Bundestrainer eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten. Die Mischung aus Erfahrung und Talent soll den Titel bringen. Zuletzt zeigte die Formkurve der „Mannschaft“ nach durchwachsenen Auftritten in der EM-Qualifikation klar nach oben. Während man im Test gegen England (2:3) stark anfing, um dann stark nachzulassen, wurde Italien drei Tage später mit einer 4:1-Packung nach Hause geschickt. Es wird sich zeigen, ob die Weltmeister ihre Klasse auf den Platz bringen und die Neuen mitreißen können. Wenn dies gelingt und sich ein ähnlicher Teamspirit und Titelhunger wie in Brasilien entwickelt, kann der amtierende Weltmeister auch der nächste Europameister werden. „Wir sind selbstbewusst, aber nicht überheblich. Stark, aber nicht unbesiegbar“, sagte Joachim Löw bei der Kaderpräsentation.

Der Gastgeber kann mit einem Triumph im eigenen Land zu den Rekord-Europameistern (je drei Titel) aufschließen

Infografik: Frankreich ist bei den Buchmachern Favorit vor Deutschland und Spanien. Quelle: eigene Darstellung

Frankreich: Der Liebling der Buchmacher ist jung, wild und hungrig

Bei den meisten Wettanbietern steht Frankreich sogar noch höher im Kurs als Deutschland, wenn es um die Titelchancen bei der EM geht. Das hat einen guten Grund. Die Equipe Tricolore überzeugte schon bei der WM in Brasilien, scheiterte denkbar knapp im Viertelfinale gegen Deutschland (0:1). Juves Paul Pogba wurde zum Besten jungen Spieler des Turniers gewählt und auch sonst ist das Gerüst von 2014 geblieben. Torhüter Hugo Lloris, die Innenverteidigung aus Raphael Varane und Laurent Koscielny, die Schaltzentrale mit Paul Pogba und Blaise Matuidi, davor der ständige Unruheherd Antoine Griezmann. Dazu kommen mit N’Golo Kanté von Englands Überraschungsmeister Leicester City und Dimitri Payet von West Ham zwei Spieler, die zu den herausragenden Akteuren der vergangenen Premier League Saison zu zählen sind.

In Coman oder Martial hat Didier Deschamps zudem junge, talentierte Spieler nominiert, die die Chance bei der EM nutzen wollen, um auf sich aufmerksam zu machen. Dafür verzichtet er sowohl auf Top-Star Karim Benzema, der nach einer unrühmlichen Sex-Affäre vom Verband suspendiert wurde, als auch auf Bayerns Franck Ribéry. Der Flügelflitzer war 2014 aus dem Nationalteam zurückgetreten, hatte sich aber zuletzt wieder für eine EM-Teilnahme ins Gespräch gebracht. Deschamps erklärte daraufhin, er habe keinen Grund, einen Kader-Platz für Ribery zu „opfern“.

Mit den Fans im Rücken will Frankreich den dritten EM-Titel holen

Sie sind der große Trumpf von „Les Bleus“ bei der Heim-EM: Die französischen Fans. Foto: photo_master2000 – 370641740 / Shutterstock.com

Ohne die Erfahrung Ribérys und Benzemas, aber mit dem nicht zu unterschätzenden Heimvorteil im Rücken sollen es die jungen Wilden richten. Schafft Deschamps es, aus bewährten Kräften wie Pogba oder Griezmann und den Neuen wie Kanté oder Payet ein funktionierendes Team zu formen, haben die Franzosen alle Chancen, nach 1984 und 2000 zum dritten Mal Europameister zu werden.

Spanien: Der Altmeister will es noch einmal wissen

Der dritte Top-Favorit ist mit Spanien ein alter Bekannter. Der goldenen Generation um Xavi, Iniesta, Villa, Casillas oder Alonso gelang mit den EM-Titeln 2008 und 2012 sowie dem WM-Sieg 2010 ein historischer Titel-Hattrick. Bei der WM 2014 stand dann schon nach zwei Spielen und 1:7 Toren das Vorrundenaus fest. Doch Nationaltrainer Vicente Del Bosque blieb im Amt und hat nach den Rücktritten von Alonso, Villa und Xavi in Iniesta und Casillas nur noch zwei aus der alten Garde übrig. In Busquets, Silva oder Ramos stehen ihre Nachfolger aber schon bereit, sie alle waren auch schon an den Titelgewinnen beteiligt. Dazu kommen junge, hungrige Spieler wie De Gea, Thiago oder Isco, die ihr Können endlich auch bei einem großen Turnier beweisen wollen.

Die „Furia Roja“ weiß, wie man Europameister wird und wird ihren Titel nicht kampflos hergeben. In der EM-Qualifikation gab man sich kaum Blöße und gewann neun von zehn Spielen.

Die Geheimfavoriten: England und Belgien

Wie bei jedem Turnier gibt es sie auch bei diesem mal wieder: Die Geheimfavoriten. England und Belgien sind es diesmal, da sind sich die Favoriten einig, die am Ende dem Top-Trio eine Nase drehen und den Pokal abstauben könnten.

 Jamie Vardy traf 24-mal für Leicester und soll jetzt bei der EM für England knipsen

Die Entdeckung der Saison: Ballert Leicesters Jamie Vardy jetzt auch noch die „Three Lions“ zum Titel? Foto: mooinblack – 208506805 / Shutterstock.com

Die Engländer haben eine beeindruckende Quali-Runde gespielt und alle zehn Spiele gewonnen. Nationalcoach Roy Hodgson hat es geschafft, aus vielen jungen, talentierten Spielern eine funktionierende Gesamtkonstruktion zu bauen. Mittendrin steht mit Kapitän Wayne Rooney einer, der seit über zehn Jahren die zentrale Figur des Nationalteams ist. An ihm scheiden sich aber die Geister. Für die einen ist er unersetzlich, für die anderen sollten ihm die beiden herausragenden Stürmer der Premier League Saison, Harry Kane (Tottenham) und Jamie Vardy (Leicester) vorgezogen werden. Sollte es kein Elfmeterschießen geben, kann England bei der EM mit dieser Truppe auf jeden Fall weit kommen. Dass es auch Spitzenteams schlagen kann, zeigte man im März in Berlin: Da gab es im Test ein 3:2 gegen Weltmeister Deutschland.

Belgien hatten viele schon in Brasilien auf dem Zettel. Dort mussten die „Roten Teufel“ aber im Viertelfinale knapp dem späteren Finalist Argentinien den Vortritt lassen. Tritt man so auf wie in Brasilien, kann es bei der EM mit ein bisschen Glück auch für ganz vorne reichen. Den Unterschied ausmachen könnte ein Eden Hazard in Top-Form, von der der Chelsea-Mann aber über große Teile der Saison meilenweit entfernt war. Mit Mertens, Lukaku oder Origi gibt es aber auch noch einige andere in den Reihen der Belgier, die diese Rolle ausfüllen können.

Quellen:

  • Tomasz Bidermann – 308049344 / Shutterstock.com
  • Jefferson Bernardes – 208128013 / Shutterstock.com
  • photo_master2000 – 370641740 / Shutterstock.com
  • mooinblack – 208506805 / Shutterstock.com

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