Public Viewing am späten Abend – erlaubt oder problematisch?

Großereignisse wie es die Fußball EM eines ist, verbringt man am liebsten in Begleitung von netten Menschen. Das sogenannte Public Viewing erfreut sich seit Jahren größter Beliebtheit. Ob dies auch erlaubt ist wenn die Spiele zu späterer Stunde übertragen werden, klärt dieser Artikel.

 Public Viewing erfreut sich seit Jahren größter Beliebtheit.

Fans dürfen sich jetzt schon auf Public Viewing am späten Abend freuen.
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Die Europameisterschaft im Nachbarland Frankreich

Fußballbegeisterte Menschen dürfen die Tage zählen: Vom 10. Juni bis zum 10. Juli findet die EM 2016 im Gastgeberland Frankreich statt. Das Eröffnungsspiel tragen die Nationalmannschafen Rumänien und Frankreich im Stade de France in St.-Denis, Paris aus. Erstmalig kämpfen bei dieser Europameisterschaft 24, statt bisher nur 16 Mannschaften um die beliebte Trophäe, die am Ende auf die Gewinnermannschaft wartet und im Rahmen tosenden Applauses und hupender Autokorsos überreicht wird.

Die begehrten Tickets für ein Spiel der Heimatmannschaft sind in der Vergangenheit – wie immer – rasend schnell ausverkauft gewesen. Schade eigentlich, denn Frankreich ist, zumindest von uns Deutschen aus, nur einen Katzensprung weit entfernt und in wenigen Fahrstunden bequem mit dem Auto erreichbar. Wer aber trotzdem nicht das ultimative Glück hat in naher Zukunft nach Frankreich zu einem Deutschlandspiel reisen zu können, den zieht es nicht selten in die Kneipe um die Ecke um bei dem einen oder anderen Bier und mit jeder Menge anderen Fußballfans das allseits populäre Public Viewing zu genießen, der deutschen Nationalmannschaft zuzujubeln und bei jedem Tor in Freudentaumel zu verfallen.

Europameisterschaft – eine wahre Goldgrube für die Gastronomie

Die Gastronomie erwartet zu Großereignissen wie der Europameisterschaft, einen meist viel größeren Andrang als es üblicherweise der Fall ist. Auf eine dementsprechende Lautstärke dürfen sich die Kneipe oder der Biergarten und vor allem auch die umliegenden Nachbarn also durchaus einstellen. Trommeln und Fanfahren machen immerhin nicht unbedingt wenig Lärm und sind beliebte Begleitung bei vielen Fußballfans.

Die Übertragung fast der Hälfte aller EM Spiele findet in Deutschland um 21.00 Uhr statt. Dies bedeutet aber auch, dass ein regulär verlaufendes Spiel frühestens um 22.45 Uhr beendet ist.  Geht es sogar in die Verlängerung und ins anschließende 11-Meter-Schießen ist vor 23.45 Uhr vermutlich nicht Schluss.

Für Fußballliebhaber, die ihrer Mannschaft zuhause zujubeln möchten, ist auch die späte Uhrzeit erst einmal kein Problem.

Gastronomen die ihren Gästen das sogenannte Public Viewing anbieten sind hier allerdings dazu verpflichtet eine Genehmigung bei der zuständigen kommunalen Behörde zu beantragen. Dies gilt nicht nur für Kneipen, Biergärten oder Restaurants. Auch alle anderen Veranstalter öffentlicher Events müssen sich um diese Genehmigung bemühen.

Sperrstunde normalerweise ab 22 Uhr

Generell ist es nämlich so, dass in Deutschland ab 22 Uhr eine sogenannte Sperrstunde vorherrscht. Öffentliche, laute Veranstaltungen wie es das Public Viewing nun mal ist, sind nach dieser Uhrzeit eigentlich nicht mehr erlaubt, sondern müssen beendet oder zumindest auf Zimmerlautstärke reguliert werden.

Scheinbar sind aber allerdings auch der deutsche Bundesrat und insbesondere der Bundesbauminister Hendricks ein großer Fußballfan. Dieser jedenfalls hält vorübergehende Ausnahmen vom Lärmschutz im Rahmen der Europameisterschaft als durchaus vertretbar und hat sich daher am vergangenen Freitag, den 13. Mai 2016 dazu entschlossen, dass das Public Viewing eben nach dem Erhalt einer kommunalen Genehmigung auch noch nach 22 Uhr erlaubt ist. „Mit anderen zusammen an großen Bildschirmen unter freiem Himmel mitzufiebern, gehört zu einer Fußball-Europameisterschaft einfach dazu“, erklärt Hendricks gegenüber der BILD Zeitung.

Diese Nachricht haben Gastronomen in ganz Deutschland mit großer Freude wahrgenommen. Man kann sich vorstellen, dass das Geschäft der meisten Kneipen und Gaststätten von dieser Genehmigung profitieren wird.

Doch auch wenn der Bundesrat die Sperrstunde ab 22 Uhr im Rahmen einer Genehmigung außer Kraft setzt, bedeutet dies leider nicht, dass automatisch jede Gaststätte diese Genehmigung auch bekommt. Trotz dieser Sonderverordnung muss für jeden einzelnen Fall gesondert entschieden werden ob eine Genehmigung erteilt werden kann oder eben nicht. Die Entscheidung hierüber trifft das städtische Ordnungsamt in dem es zwischen dem öffentlichen Fußballinteresse und der in der Nachbarschaft geforderten Nachtruhe abwägt.

Besonders gute Chancen haben hierbei Kneipen oder Gaststätten die mitten in der Stadt ansässig sind. Weniger gute Chancen haben dabei solche die:

  • in Wohngebieten liegen
  • in der Nähe von Krankenhäusern ansässig sind
  • die Nachtruhe von Altenheimen stören können

Pauschal kann dies vor ab allerdings nicht bestimmt werden weswegen jedem Gastronomen geraten wird, den Antrag auf diese Genehmigung in jedem Falle zu stellen.

Egal ob beim Public Viewing oder zuhause auf der heimischen Couch: Die meisten Deutschen werden die vier Wochen der Europameisterschaft in jedem Falle mitfiebern. Auch wenn es in Gesellschaft schöner ist: Letztlich zählt immer das Ergebnis!

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