Liverpool will Rom „aus der Komfortzone locken“

Das Tor zum Finale steht in Anfield / Shutterstock.com

Mit dem FC Liverpool und dem AS Rom treffen zwei Mannschaften im Champions League Halbfinale aufeinander, denen dies nur die wenigsten Experten vor dieser Champions League Saison zugetraut haben. Für die Italiener ist es sogar etwas ganz Neues, zur illustren Riege der besten Vier zu zählen und mit Real Madrid sowie dem FC Bayern München auf Augenhöhe zu stehen. Rom traf 1984 im Finale des Europapokals der Landesmeister – dem Vorgängerwettbewerb der Champions League –
ausgerechnet auf den FC Liverpool. Damals gewann das englische Team 4:2 nach Elfmeterschießen. Das Hinspiel am Dienstag, dem 24. April um 20:45 Uhr in Liverpool wird der deutsche Schiedsrichter Dr. Felix Brych anpfeifen. Rückspiel ist bereits eine Woche später am Mittwoch, dem 2. Mai.

FC Liverpool – Weg ins Halbfinale

Die Reds von der Merseyside mussten im August 2017 als Vierter der Premier League zunächst im Qualifikations-Play-Off gegen die TSG Hoffenheim ran. Die Kraichgauer kamen damals mit 2:1 und 4:2 unter die Räder. In der Gruppenphase war dann nur der FC Sevilla eine ernsthafte Konkurrenz. Das Team von Jürgen Klopp überstand die Vorrunde sicher. NK Maribor und Spartak Moskau hießen die Gegner in der Vorrunde, den FC Porto beherrschten die Reds im Achtelfinale souverän und sogar Manchester City war mit dem überfallartigen Tempofußball und Klopps typischen Gegenpressing überfordert.

Besonders drei Herren aus der Sturmreihe Liverpools verbreiten Angst und Schrecken: Der blitzschnelle Sadio Mané, Edeltechniker Roberto Firmino und der frischgebackene Spieler des Jahres in England .- Mohamed Salah – der 2017 ausgerechnet vom AS Rom kam. Gemeinsam hat das Trio beeindruckende 23 Tore in der Champions League erzielt. Doch Liverpools Überlegenheit fußt auch auf einer gnadenlosen Defensive um Abwehrchef Dejan Lovren und dem deutschen Torhüter Loris Karius, der seit Januar den Stammplatz im Tor der Reds innehat. In der typischen 4-3-3 Aufstellung hat sich darüber hinaus eine stabile Dreierreihe im Mittelfeld mit Kapitän Henderson, Milner und Wijnaldum festgespielt. Der deutsche Nationalspieler Emre Can fällt dagegen weiterhin mit mysteriösen Rückenbeschwerden aus. Auch Adam Lallana und Joel Matip werden nicht zum Zug kommen können.

AS Rom – Weg ins Halbfinale

Italiens Vizemeister AS Rom hatte es in der Gruppenphase mit den Schwergewichten FC Chelsea und Atlético Madrid sowie dem aserbaidschanischen Vertreter aus Quarabag zu tun. Am Ende konnte die Roma die Vorrundengruppe C mit 11 Punkten bei nur einer Niederlage für sich entscheiden. Im Achtelfinale tat sich der AS Rom dann gegen Schachtar Donezk extrem schwer, aber am Ende stand – Dank der Auswärtstorregelung – das Viertelfinale. Dort wartete der FC Barcelona. Nach einer 4:1 Niederlage im HInspiel überrumpelten die Hauptstädter ihren perplexen Gegner im Rückspiel 3:0 – in einem Spiel, was als „Wunder von Rom“ in die italienische Sportgeschichte eingegangen ist.
Trainer Eusebio di Francesco variiert oft sein Spielsystem und lässt die Roma mit einer super-kompakten Formation den Gegner dominieren.

Die Helden vom Viertelfinale sind Roms Leistungsträger Alisson Ramses Becker im Tor, Abwehrrecke Kostas Manolas und Kapitän Daniele de Rossi. Was das Erzielen von Toren angeht, verlässt sich die Mannschaft meistens auf den aus der Bundesliga bekannten Bosnier Edin Dzeko und seinen schnellen Vorstößen in die Spitze. Aber das Team verfügt auch über einige vielversprechende, junge Spieler. Cengiz Ünder, Gerson und Lorenzo Pellegrini konnten sich beispielsweise gut weiterentwickeln und könnten im Halbfinale für Aufsehen sorgen. Fehlen werden Rick Karsdorp und Grégoire Defrel.

Ausblick

In diesem interessanten Aufeinandertreffen zweier nicht erwarteten Mannschaften im Halbfinale der Königsklasse gibt es keinen klaren Favoriten. Die offensive Durchschlagskraft des Champions League Siegers von 2005 dürfte von der Defensivstärke der Römer aufgefangen werden. Nach der beherzten Antwort gegen Barcelona ist dem italienischen Vizemeister in zwei Spielen alles zuzutrauen. Fußball-Legende Steven Gerrard vermutet auf der Vereins-Website der Reds einen Tempofußball, der Rom aus der Komfortzone locken wird. Roms Trainer di Francesco fordert noch mehr physische Präsenz von seinem Team und glaubt, dass seine Spieler den Vorteil haben, dass sie den ehemaligen Römer Salah gut kennen. Er hofft, dass das Erreichen des Halbfinales erst der Anfang ist