Stuttgarts Silas Wamangituka heißt eigentlich Silas Katompa Mvumpa

Stuttgarts Silas Wamangituka heißt eigentlich Silas Katompa Mvumpa
Unter dem Namen Silas ist der Stuttgarter bekannt und beliebt —
Foto: IMAGO / Sven Simon
08.06.2021 - 11:54 | von Ben Friedrich

Der VFB Stuttgart wies am Dienstag darauf hin, dass Silas mit Nachname nicht Wamangituka heißt, sondern „Katompa Mvumpa“ und nicht 21, sondern 22 Jahre alt ist.

Der beliebte Flügelspieler des VFB ist seit dem Frühjahr aufgrund eines Kreuzbandrisses außer Gefecht. In der Vergangenheit kam er auf die Vereinsverantwortlichen um Sport-Vorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat zu, um sie über seine wahre Identität aufzuklären.

Ein ehemaliger Spielervermittler hatte diesen Betrug zulasten des Kongolesen eingefädelt, Unterlagen mit falschem Namen vorgelegt, auf denen der Geburtstag 6. Oktober 1998 um ein Jahr verschoben war.

Silas Katompa Mvumpa selbst hat mit Hilfe seines neuen Beraters an der Aufklärung der Situation mitgewirkt und ist bereits im Besitz neuer, korrekter Dokumente seines Heimatlandes Demokratische Republik Kongo.

Der VFB Stuttgart geht davon aus, dass seine Spielberechtigung von DFL und DFB mit den Aktualisierungen akzeptiert werden und rechtsgültig sind. Der Verein betont, dass er voll auf der Seite seines Spielers steht.

Rückendeckung von Sven Mislintat

Sportdirektor Mislintat auf der vereinseigenen Webseite: „Silas bleibt der Spieler und der Mensch, der sich in die Herzen unserer Fans und seiner Mitspieler gespielt hat, seit er hier in Stuttgart ist. In Bezug auf die Namensänderung ist er vor allem Opfer. Entsprechend werden wir ihn auch schützen.“

„Ich habe große Hochachtung davor, dass er in seinem jungen Alter, fast auf sich allein gestellt und ohne Wissen um die Folgen den Schritt gewagt hat, seine Situation zu klären. Wir werden ihm weiter in jeder Hinsicht helfen. Silas ist Teil der VfB-Familie. Er soll auch in der kommenden Saison für den VfB Stuttgart Fußball spielen, sobald er von seinem Kreuzbandriss wieder genesen ist.“

Größtmögliche Rücksicht auf Silas

Hitzlsperger äußerte sich folgendermaßen: „Wir haben sofort, nachdem Silas sich uns anvertraut hatte, alle aus unserer Sicht nötigen Maßnahmen eingeleitet und die zuständigen Stellen eingeschaltet.“

Wir machen diesen ungewöhnlichen Fall ganz bewusst von uns aus öffentlich, um zu unterstreichen, dass wir so transparent vorgehen wollen, wie es mit Rücksicht auf den Schutz unseres Spielers möglich ist.“

Leben in ständiger Angst

Silas erklärte seine Situation so: „Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo große Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren. Erst durch die Unterstützung meiner neuen Berater habe ich mich dies getraut.“

„Mir ist klargeworden, dass ich keine Angst mehr haben muss und wir gemeinsam alles auf den Tisch bringen können. Ich hätte diesen Schritt nicht gewagt, wenn Stuttgart, mein Team und der VfB für mich nicht eine zweite Heimat geworden wären, in der ich mich sicher fühle.“

„Heute bin ich sehr erleichtert und ich hoffe, dass ich damit auch anderen Spielern Mut machen kann, die ähnliche Erfahrungen mit Vermittlern machen mussten. Dem VfB Stuttgart bin ich zutiefst dankbar für all das Vertrauen und die Unterstützung in dieser Zeit. Ich hoffe, dass ich es ihnen und allen Fans des VfB auf dem Platz zurückzahlen kann.“

Ehemaliger Vermittler mit ausbeuterischer Absicht

Silas sollte 2017 als 18-Jähriger zum RSC Anderlecht nach Belgien vermittelt werden. Vor der Vertragsunterschrift dort sollte er zunächst in seine Heimat Kongo zurückreisen und ein neues Visum beantragen, damit genügend Zeit für die Vertragsverhandlungen gewährleistet sei.

Sein ehemaliger Berater setzte ihn daraufhin unter Druck, damit er Europa nicht mehr verlässt. In ein Abhängigkeitsverhältnis geraten, konnte der Spieler, abgeschottet von der Öffentlichkeit und bedroht, nicht mehr frei entscheiden. Anschließend änderte der Spielervermittler seine Identitätsangaben.

Grund dafür waren keine aufenthaltsrechtlichen Erwägungen, sondern das Ziel, die Verbindung zum Ausbildungsverein zu unterbrechen und ihn erpressbar zu machen. Silas fürchtete fortan, dass die Offenbarung der Wahrheit unabsehbare Folgen haben könnte und seine Familie in Gefahr bringen könnte.

2019 hatte die französische Zeitung Équipe erstmals darüber recherchiert und berichtet.