UEFA EURO 2021 Gruppen, Begegnungen, Trainer und Spieler

Gruppen der EM 2021
⚽ Fussballinfo
18.11.2020 - 13:39 | von Ben Friedrich

Mit Finnland und Nordmazedonien sind zwei Nationalteams das erste Mal bei einer Fußball-Europameisterschaft. Wie werden sich die Neulinge schlagen?

Die Fußball-EM 2021 ist die 16. Ausgabe des Turniers und sollte ursprünglich in elf europäischen sowie einer asiatischen Stadt (Baku) ausgetragen werden.

Kritische Sicht auf eine EM in 12 Ländern

Es mehren sich Stimmen von Experten, die ein Turnier in der Pandemie-Zeit für unverantwortlich halten, wenn es in vielen Ländern ausgerichtet wird. So nannte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic die Europameisterschaft im Fachmagazin Horizont so nicht durchführbar. Ein Fortschritt bei Impfungen gegen das Covid-19-Virus würde daran nichts ändern.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin merkte dazu bereits an, dass man notfalls auch auf eine Austragung an zehn, fünf, zwei oder nur einem Spielort ausweichen kann. Privatsender Sat1 meldete, dass am 5. März voraussichtlich eine Entscheidung getroffen wird. Es gibt Szenarien mit voller Zuschauerauslastung der Stadien bis hin zu einem Besucher-Ausschluss.

Immer mehr deutet darauf hin, dass die Veranstaltung in gewißer Form verkleinert wird. Der Traum von Initiator Michel Platini, der die Idee 2012 äußerte, wäre dann zwar nicht geplatzt, aber auf ein pandemietaugliches Miniformat reduziert.

Nachtrag vom 23. April 2021: Die UEFA gab nun bekannt, dass alle Stadien teilweise Zuschauer einlassen, je nach Kapazität und Lage am Austragungsort. Dublin zog sich zurück und die Spiele wurde nach St. Petersburg verlegt. Bilbaos Spiele wurden nach Sevilla verlegt.

Die Tabellen der EM-Gruppen

Gruppe A

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1Italien000
 Schweiz000
 Türkei000
 Wales000

Gruppe B

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1Belgien000
 Dänemark000
 Finnland000
 Russland000

Gruppe C

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1Niederlande000
 Nordmazedonien000
 Österreich000
 Ukraine000

Gruppe D

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1England000
 Kroatien000
 Schottland000
 Tschechien000

Gruppe E

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1Polen000
 Schweden000
 Slowakei000
 Spanien000

Gruppe F

PlatzLandSpieleDifferenzPunkte
1Deutschland000
 Frankreich000
 Portugal000
 Ungarn000

Spielplan

Gruppe A

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
TürkeiItalien 11.06.21:00RomARD
WalesSchweiz 12.06.15:00Baku 
TürkeiWales 16.06.18:00Baku 
ItalienSchweiz 16.06.21:00Rom 
ItalienWales 20.06.18:00Rom 
SchweizTürkei 20.06.18:00Baku 

Gruppe B

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
DänemarkFinnland 12.06.18:00Kopenhagen 
BelgienRussland 12.06.21:00St. Petersburg 
FinnlandRussland 16.06.15:00St. Petersburg 
DänemarkBelgien 17.06.18:00Kopenhagen 
FinnlandBelgien 21.06.21:00St. Petersburg 
RusslandDänemark 21.06.21:00Kopenhagen 

Gruppe C

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
ÖsterreichNordmazedonien 13.06.18:00Bukarest 
NiederlandeUkraine 13.06.21:00Amsterdam 
UkraineNordmazedonien 17.06.15:00Bukarest 
NiederlandeÖsterreich 17.06.21:00Amsterdam 
NordmazedonienNiederlande 21.06.18:00Amsterdam 
UkraineÖsterreich 21.06.18:00Bukarest 

Gruppe D

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
EnglandKroatien 13.06.15:00London 
SchottlandTschechien 14.06.15:00Glasgow 
KroatienTschechien 18.06.18:00Glasgow 
EnglandSchottland 18.06.21:00London 
TschechienEngland 22.06.21:00London 
KroatienSchottland 22.06.21:00Glasgow 

Gruppe E

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
PolenSlowakei 14.06.18:00St. Petersburg 
SpanienSchweden 14.06.21:00Sevilla 
SchwedenSlowakei 18.06.15:00St. Petersburg 
SpanienPolen 19.06.21:00Sevilla 
SlowakeiSpanien 23.06.18:00Sevilla 
SchwedenPolen 23.06.18:00St. Petersburg 

Gruppe F

  ErgebnisDatumUhrzeitOrtTV
UngarnPortugal 15.06.18:00Budapest 
FrankreichDeutschland 15.06.21:00MünchenZDF
UngarnFrankreich 19.06.15:00Budapest 
PortugalDeutschland 19.06.18:00München 
DeutschlandUngarn 23.06.21:00München 
PortugalFrankreich 23.06.21:00Budapest 

Achtelfinale: 26.-29. Juni 2021

Viertelfinale: 2.-3. Juli 2021

Halbfinale: 6.-7. Juli 2021

Finale: 11. Juli 2021

Übertragung im TV

Das Erste und das ZDF übertragen die Livespiele der Europameisterschaft. Die ARD beginnt mit dem Eröffnungsspiel Italiens gegen die Türkei, welches im Olympiastadion Rom am Freitag, 11. Juni 2021 stattfindet.

Das erste Spiel der Deutschen gegen Frankreich wird am 15. Juni 2021, 21 Uhr vom ZDF gezeigt. Es findet in der Allianz-Arena München statt. Der weitere Terminplan zur Berichterstattung wird später festgelegt.

In Österreich übernimmt der ORF die Übertragung.

Bisherige Europameister

JahrLand
1960Sowjetunion
1964Spanien
1968Italien
1972Deutschland
1976Tschecheslowakei
1980Deutschland
1984Frankreich
1988Niederlande
1992Dänemark
1996Deutschland
2000Frankreich
2004Griechenland
2008Spanien
2012Spanien
2016Portugal
2021?

Die EM-Teams

Deutschland

Das DFB-Team hat sich mit 21 Punkten sehr sicher zum 12ten Mal für eine EM qualifiziert. Nur ein Spiel ging gegen die Niederlande verloren. Die Mannschaft hat dreimal den Titel gewinnen können: 1972, 1980 und 1996.

In der schwierigen Gruppe F zählt sie dieses Mal nicht als Favorit, denn mit Titelverteidiger Portugal und Weltmeister Frankreich sind zwei stärkere Nationen vertreten. In der Nations League offenbarte Deutschland im November große Abwehrprobleme und verlor gegen Spanien 0:6.

Um verdiente Spieler wie Jerôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller, die nicht mehr berufen werden, ist eine heiße Diskussion entbrannt.

Trainer: Jogi Löw (60) ist seit 14 Jahren Nationaltrainer. Bereits 2004 bis 2006 betreute er das Team in der Funktion des Co-Trainers. 2014 gelang ihm mit dem Weltmeistertitel der größte Erfolg. Außerdem holte er zweimal WM-Bronze (2006 und 2010), wurde einmal Vize-Europameister (2008), wurde als Vereinstrainer 1997 Deutscher Pokalsieger mit dem VFB Stuttgart und 2002 Österreichischer Meister mit dem FC Wacker Innsbruck.

Schlüsselspieler: Toni Kroos (30) wird in Nationalelf und bei seinem Verein Real Madrid als intuitiver Passgeber geschätzt. Sein Spiel wirkt überlegt und vorausahnend. Manuel Neuer (34) gilt ist der amtierende Welttorhüter. Er prägt das moderne Bild des mitspielenden Torwarts mit guter Technik. Serge Gnabry (25) strahlt die meiste Gefahr über die Flügel aus und wird unterstützt von seinem praktisch genauso guten Vereins-Kollegen Leroy Sané (24). Beide sind ein ideales Sturmduo.

Talent: Kai Havertz (21)  ist ein schneller, beweglicher Offensiv-Allrounder mit großer Ruhe, der Tore aus vielen Positionen erzielen kann. Von Bayer wechselte er im Sommer zu Chelsea. Florian Wirtz (17) ähnelt seinem ehemaligen Mittelfeldkollegen von Leverkusen und ist noch mehr mit strategischen Qualitäten gesegnet.

Portugal

2016 gewann Portugal das erste Mal einen Titel, die Europameisterschaft in Frankreich. Éder traf im Finale gegen Frankreich zum 1:0.

In den 90er bis 2000er Jahren erwarteten viele Fußballfans, dass die Goldene Generation um Paulo Sousa, Vitor Baía, Fernando Couto, Rui Costa, Luis Figo und João Pinto Titel abräumen müsste. Doch mit Ausnahme der Vize-Titels 2004 gelang zu jener Zeit kein besonderer Erfolg.

Erst das relativ namenlose aber pragmatische Team um Superstar Cristiano Ronaldo schlich sich durch die Hintertür zum ersten Europameistertitel. Dennoch: Er war verdient.

Trainer: Der eigentliche Star des Teams und Schlüsselfigur der Seleção ist Trainer Fernando Santos (66). Er ist seit 2014 in der Verantwortung und versteht es perfekt, die Mannschaft durch Personalengpässe zu manövrieren, Talente einzubinden und divenhafte Stars bei Laune zu halten. Portugals EM-Titelgewinn 2016 und der erste Platz der Nations League 2019 hat viel mit diesem Mann zu tun. Er wurde mehrfach portugiesischer Meister und Pokalsieger mit dem FC Porto sowie Griechischer Pokalsieger mit AEK Athen.

Schlüsselspieler: Cristiano Ronaldo (35) ist die Führungsfigur der Portugiesen. Immer gefährlich ist er außerdem der Akteur mit den meisten Endrunden-Spielen in der Geschichte der EM: 21. Bernardo Silva (26) von Manchester City ist ein kleiner Flügelstürmer, der unermüdlich für Vorlagen sorgt und selbst Tore erzielen kann. Er ist 2019 zum besten Spieler der Nations League gewählt worden.

Talent: João Félix (21) ist ein unberechenbare Offensivspieler, der große Torgefahr ausstrahlt. Er spielt unbekümmert, kreativ und biss sich bei Atlético Madrid durch.

Frankreich

Die Franzosen sind als Weltmeister ein mächtiger Gegner der Gruppe F. Quasi mühelos marschierten sie durch die Qualifikation und hatten nur mit der Türkei Schwierigkeiten, die ihrerseits auch am Turnier teilnimmt.

Auch in der Nations League setzten sie sich vor Titelverteidiger Portugal. Mit Michel Platini haben sie immer noch den erfolgreichsten Torschützen der EM-Endrunde. Er traf 9mal bei nur einem Turnier 1984.

Insgesamt gewannen sie zweimal den EM-Titel (1984 und 2000). Auch 2021 werden sie eine große Rolle spielen, denn sie sind der Gruppen-Favorit.

Trainer: Didier Deschamps (52) wurde als Spieler 1998 und als Trainer 2018 Weltmeister. Auch bei der EM 2000 war er erfolgreich. Obwohl er nach dem Titel hätte aufhören können, setzt er sein Engagement bei der Équipe tricolore fort, denn er sieht großes Potential in der neuen Generation französischer Spieler. Wenn er den EM-Titel als Trainer gewinnt, hat er das internationale Double als Spieler und Trainer gewonnen. Mehr geht kaum.

Schlüsselspieler: Kylian Mbappé (21) ist mit seiner Schnelligkeit und Ballsicherheit kaum zu kontrollieren. Obwohl noch so jung, ist er kein Talent mehr, sondern bereits einer der wichtigsten Spieler der Blauen. Antoine Griezmann (29) ist in der Offensive der solideste und zuverlässigste Spieler. Seine Torquote ist beeindruckend, vor allem in den wichtigen Spielen. Mittlerweile rückt er mehr auf die 10er-Position. Kingsley Coman (24) hat mit dem FC Bayern das Triple gewonnen und im Champions League Finale das entscheidende Tor geschossen. Da er die WM 2018 verpasst hat, können sich die Gegner auf einen erfolgshungrigen Kingsley gefasst machen.

Talent: Die Franzosen haben etliche Supertalente. In der Offensive sind da zum Beispiel der vielseitige Gladbacher Marcus Thuram (23) und Celtic Glasgows Tor-Versicherung Odsonne Edouard (22). Das sind jedoch nur zwei aus einer endlosen Auswahl vielversprechender Spieler.

Ungarn

Buchstäblich in den letzten fünf Minuten haben sich die Ungarn im Play-Off-Finale gegen Island durchgesetzt. Sie drehten den 0:1-Rückstand, erzielt von Gylfi Sigurdsson, noch durch Treffer von Loïc Nego (88.) und Dominik Szoboszlai (90.+2).

Für das Land ist es die vierte Teilnahme an einer Europameisterschaft. 1964 und 1972 zählten sie noch zu einer der großen Fußballnationen. Heute sind sie zwar der Außenseiter in Gruppe F, aber ein solch starkes Team hatten sie schon lange Zeit nicht mehr.

Trainer: Marco Rossi (56) machte sich in Ungarn vor allem durch seinen Meistertitel 2017 mit Honvéd Budapest einen Namen. 2018 übernahm der Italiener als Nachfolger von Georges Leekens die ungarische Nationalmannschaft und führte sie zur EM.

Schlüsselspieler: Dominik Szoboszlai (20) ist als junger Spieler dem Prädikat Talent schon entwachsen. Der in Budapest geborene offensive Mittelfeldspieler ist der Fixpunkt in Ungarns Spiel. Von ihm gehen kreative Aktionen und Tore aus. Péter Gulácsi (30) ist der Rückhalt des Nationalteams und führt Ungarns Torwarttradition fort.

Talent: Botond Balogh (18) kämpft um einen Platz in Parmas Innenverteidigung. Ein hochaufgeschossenes Abwehrtalent. András Schäfer (21) beackert weite Räume im defensiven Mittelfeld von Dunajska Streda in der Slowakei. Er initiiert auch Angriffe aus dem tiefen Mittelfeld.

Italien

Mit zehn Siegen in zehn Spielen legten die Italiener eine perfekte Qualifikation hin und erreichten zum zehnten Mal eine EM. 1968 gewannen sie den Titel in einem noch viel kleineren Turnier.

Durch ein Entscheidungsspiel wurde Jugoslawien damals mit 2:0 besiegt. Luigi Riva und Pietro Anastasi waren die Torschützen. Eine solche Entscheidung wurde notwendig, weil das erste Finale 1:1 nach Verlängerung endete. In Gruppe A sind die Azzurri klar der Topfavorit.

Trainer: Roberto Mancini (55) wurde vom italienischen Verband direkt verpflichtet, als er 2018, noch vor der WM, von Zenit St. Petersburg freigestellt wurde. Der Startrainer hatte zuvor die Vereine Lazio Rom, AC Florenz, Inter Mailand, Manchester City und Galatasaray betreut.

Schlüsselspieler: Gianluigi Donnarumma (21) hat sich als junger Torhüter des AC Mailand einen Prominentenstatus erarbeitet und bereits viele Länderspiele für die Squadra absolviert. Ciro Immobile (30) ist als Stürmer wie ein Wein gereift und ungeheuer torgefährlich geworden. In Dortmund wurde er verkannt. Leonardo Bonucci (33) hat als Abwehrboss ein geniales Auge für freie Mitspieler und beherrscht perfekt lange Pässe.

Talent: Sandro Tonali (20) gilt als unaufgeregter Ballverteiler im tiefen Mittelfeld, eine Art „Andrea Pirlo“ der neuen Generation.

Schweiz

Überraschend hat die Schweiz erst zum fünften Mal eine Europameisterschaft erreicht. Man vergisst leicht, dass sie mit ein paar Ausnahmen (z.B. 1954) erst in den 90er Jahren so richtig erstarkte.

Auch die EM-Quali gestaltete sich für die Eidgenossen spannend, denn mit einem Punkt Vorsprung vor Dänemark konnten die Iren nur vier Punkte dahinter auf die Plätze verwiesen werden. Nun gilt die Nati mit haufenweise Bundesligaspielern durchaus als Geheimtipp für das Turnier.

Trainer: Vladimir Petkovic (57) trat 2014 nach der Weltmeisterschaft die Nachfolge des zurückgetretenen Ottmar Hitzfeld an. Auch wenn die Amtszeit des früheren Trainers von Lazio Rom und den Young Boys Bern von Streitigkeiten rund um das Team geprägt ist, ist das Erreichen der Turnier-Endrunden als Erfolg zu werten.

Schlüsselspieler: Granit Xhaka (28) ist Kapitän und einer der kämpferischsten Spieler in Verein und Nationalmannschaft. Der ehemalige Gladbacher reißt seine Kollegen mit, wenn es eng wird. Xherdan Shaquiri (29) ist für die besonderen Situationen wie Dribblings und Standards zuständig. Der „Kraftwürfel“ hat mit Liverpool die Champions League gewonnen. Yann Sommer (31) garantiert seinem Team mit beinahe magischen Torwart-Aktionen Erfolge, wo andere Mannschaften verlieren würden.

Talent: Noah Okafor (20) ist über die Außenbahnen ein eminente Gefahr und hat bereits für die A-Nati sein Debüt gegeben. Becir Omeragic (19) ist schon aus der Innenverteidigung vom FC Zürich nicht mehr wegzudenken.

Türkei

Ebenfalls zum fünften Mal, wie die Schweiz, erreichten die Türken die Endrunde der EM. 2008 konnte mit dem Erreichen des Halbfinales der größte Erfolg geschafft werden. Dort scheiterten die Mondsterne erst an Deutschland.

Beim 2:3 trafen damals Ugur Boral und Semih Sentürk, während Bastian Schweinsteiger, Miro Klose und Philipp Lahm (kurz vor Ende der regulären Spielzeit) die Partie noch drehten.

Die Qualifikation konnte dieses Mal recht sicher hinter Frankreich klar gemacht werden und bei der Endrunde 2021 wird die Mannschaft ein Wörtchen mitreden wollen, wenn es um den Gruppensieg geht.

Trainer: Senöl Günes (68) folgte 2019 dem Vorgänger Mircea Lucescu. Der extrem erfahrene Trainer-Veteran ist besonders bei den Klubs Trabzon und Besiktas bekannt, die er viele Jahre gecoacht hat. Von 2000 bis 2004 war er bereits Nationaltrainer der Türkei. Er gewann je zweimal den türkischen Meistertitel (mit Besiktas), den Pokal und den Superpokal (mit Trabzon).

Schlüsselspieler: Hakan Calhanoglu (26) gilt als kreative Schaltstelle hinter den Spitzen und kann Spiele durch Standards, vor allem Freistöße entscheiden. Merih Demiral (22) ist schon zu einer beinahe unersetzlichen Stütze der Verteidigung geworden, auch in seinem Klub Juventus Turin. Cenk Tosun fungiert als Endstation für Anspiele direkt vor dem Tor. Der ehemalige Frankfurter ist der gefährlichste türkische Stürmer und spielt derzeit beim FC Everton in der Premier League.

Talent: Ozan Kabak (20) hat unverkennbar ein Riesentalent für die Aufgaben eines Verteidigers. Er muss nur noch konstanter und ruhiger werden, sowohl bei Schalke als auch in der türkischen Nationalelf.

Wales

Das kleine britische Land an der Westküste hat sich zum zweiten Mal nach 2016 für eine Europameisterschaft qualifiziert. In Quali-Gruppe E ging es sehr eng zu, sodass man gerade so hinter Kroatien das Ticket buchte, während die Slowakei mit nur einem Punkt weniger in die Play-Offs musste.

Bei der letzten EM in Frankreich scheiterte die Mannschaft vom damaligen Trainer Chris Coleman erst im Halbfinale am späteren Champion Portugal. Cristiano Ronaldo und Nani zerstörten damals die Finalträume der Waliser mit ihren Treffern zum 2:0.

In den Gruppenspielen in Rom und Baku sind die Drachen zwar wieder totaler Außenseiter, aber das waren sie bei der letzten EM eben auch.

Trainer: Ryan Giggs (46) hat besonders als Spieler einen Legendenstatus bei Manchester United erlangt. Seit Anfang 2018 ist er Nationaltrainer und hat die Mannschaft von Wales stark verjüngt. Der nötige Umbruch ist ihm überraschend gut und scheinbar einfach gelungen.

Schlüsselspieler: Gareth Bale (31) hat nach seiner Rückkehr zu Tottenham Hotspur wieder mehr Spaß an Fußball gefunden und kommt langsam aber stetig wieder zur alten Form. Der Offensiv-Allrounder kann an guten Tagen das Spielfeld komplett dominieren, Mitspieler in Szene setzen und aus der Distanz spektakulär treffen. Ben Davies (27) ist als Abwehrboss auf verschiedenen Defensivpositionen im Verein und für Wales nicht wegzudenken. Harry Wilson (23) ist auf bestem Weg, zum wichtigen Offensivprotagonist für die Seite oder im Zentrum zu werden. Ein paar entscheidende Tore hat der Mann von Cardiff City bereits für Wales erzielt.

Talente: Rabbi Matondo (20) ist ein wuseliger Außenbahnspieler mit großem Potential, der sich beim FC Schalke 04 Probleme hatte, sich durchzusetzen. Bis zur EM ist er zu Stoke City ausgeliehen. Neco Williams (19) bekommt wertvolle Einsätze als Rechtsverteidiger beim englischen Meister FC Liverpool und hat dadurch prima Karten, auch in der A-Nationalmannschaft durchzustarten.

Belgien

Die Bronzemedaillengewinner der letzten WM schafften eine perfekte Quali mit zehn Siegen. Nur in der Nations League gab es mal eine 1:2-Niederlage in England.

Fünfmal erreichten sie eine EM, einmal auch das Finale (1980). Beim letzten Turnier scheiterten sie überraschend an Wales.

Trainer: Roberto Martínez (47) ist seit fünf Jahren Trainer der Roten Teufel. Unter ihm wurde das belgische Team so stark wie lange nicht. Das liegt auch daran, dass man wieder auf eine goldene Generation von internationalen Stars zurückgreifen kann. So hat der Nationalcoach mehr die Qual der Wahl.

Schlüsselspieler: Thibaut Courtois (28) wirkt als Torwart von Real Madrid stellenweise unüberwindlich. Gegner fragen sich in manchen Spielen verzweifelt, wie sie den Ball an ihm vorbei bringen sollen. Kevin de Bruyne (29) verteilt die Bälle instinktiv richtig und ist eine Art Angelpunkt, der gelegentlich auch unnachahmlich aufs Tor zieht. Romelu Lukaku (27) lässt sich aufgrund seiner Körperlichkeit kaum stoppen, doch er ist zudem beweglich und schnell. Eine Riesen-Gefahr für jede Abwehr.

Talente: Jérémy Doku (18) ist bereits Stammspieler bei Stade Rennes und ein kleiner, wuseliger Flügelspieler. Yari Verschaeren (19) ist als Mittelfeldspieler ballgewandt und wendig, kann die Kugel auf engstem Raum behaupten. Charles de Ketelaere (19) ist eine vielseitige große Mittelfeld-Maschine. Er kann grätschen, Flanken und dribbeln.

Dänemark

Jeder erinnert sich gerne an den EM-Titel 1992 für die Dänen, zumindest wer es schon mitbekommen hat. Nachträglich für Jugoslawien eingesprungen, spielten sie sich unbekümmert zum Titel.

Die Euro 2021 ist ihre achte Teilnahme, wobei sie das letzte Turnier verpassten. In der Qualifikation leisteten sich sich trotz schwerer Gegner wie Schweiz oder Irland keine Niederlage.

Trainer: Kasper Hjulmand (48) übernahm erst im August die Nachfolge von Vorgänger Åge Hareide und ist den Fans des FSV Mainz 05 vor allem aufgrund seiner Trainertätigkeit 2014 bekannt. Zwischendurch coachte er den FC Nordsjælland und war Berater an der Right to Dream Academy in Ghana.

Schlüsselspieler: Christian Eriksen (28) hat bereits über 100 Länderspiele für Danish Dynamite und ohne ihn ist die Nationalmannschaft leichter auszurechnen. Thomas Delaney (29) schätzen auch die BVB-Fans als aggressiven Antreiber, wie ihn jede Mannschaft gerne hätte. Kasper Schmeichel (34) sichert seinem Land und seinem Klub Leicester regelmäßig Erfolge, die ohne ihn im Tor nicht zu Stande kämen.

Talente: Mikkel Damsgaard (20) ist Sampdoria Genuas Vorlagengeber über die Außenbahnen. Er debütierte im November für sein Land. Jonas Wind (21) fiel vor allem in der Europa League für seinen Verein FC Kopenhagen als abgezockter Mittelstürmer auf.

Finnland

Finnlands Fußball-Nationalmannschaft erreichte nur 1912 und 1936 das olympische Turnier, ansonsten waren die großen Wettbewerbe ihnen bisher verwehrt geblieben.

Ironisch werden die Fans der Uhus auf die Tatsache blicken, dass die Stars Sami Hyypiä und Jari Litmanen es nie schafften, während eine relativ unbekannte „Palloliitto“-Auswahl nun dabei ist.

Trainer: Markku Kanerva (46) ist seit vier Jahren Nationaltrainer und jetzt schon eine Legende, da er die Quali geschafft hat. Seit 2004 war er allerdings schon beim Verband in verschiedenen Funktionen tätig und diente sich zum Cheftrainer hoch. Nun kann er ein Land, in dem normalerweise der Fokus auf Eishockey und Langlauf gerichtet ist, auf seine Sportart einschwören.

Schlüsselspieler: Teemu Pukki (30) ist als unermüdlicher Knipser in den Schnittstellen der Gegner auch beim FC Schalke ein Begriff. Joel Pohjanpalo (26) ist ein klassischer Strafraumstürmer und beim 1. FC Union Berlin unter Vertrag. Lukas Hradecky (31) überträgt seine Mentalität aus dem Tor heraus auf die Mannschaften vor ihm, auch bei Leverkusen und zuvor Frankfurt.

Talente: Onni Valakari (21) von Pafos auf Zypern düpierte gleich bei seinem Nationalteam-Debüt Frankreich mit einem Traumtor. Marcus Forss (21) ist ein schneller Stürmer vom FC Brentford, an dem viele europäische Vereine interessiert sind, auch Borussia Dortmund.

Russland

Bereits fünfmal erreichten die Russen eine Fußball-Europameisterschaft. Der größte Erfolg war das Erreichen des Halbfinales 2008 in dem sie erst an Spanien, dem späteren Champion, scheiterten. Als Teil der Sowjetunion waren russische Spieler natürlich bereits 1960 Europameister geworden.

In der Quali putzten sie alle Gegner deutlich, außer den Belgiern. Die Roten Teufel waren selbst für die Sbornaja zu stark. Was für ein dummer Zufall, dass sie ihnen schon wieder zugelost wurden. Aber es kommt ja nicht nur der erste weiter.

Trainer: Stanislaw Tschertschessow (57) ist nach wie vor russischer Nationaltrainer, nun bereits seit fünf Jahren. Der ehemalige Torwart von Dynamo Dresden war zuvor Trainer von unter anderem Wacker Tirol, Spartak Moskau und Legia Warschau.

Schlüsselspieler: Denis Cheryshev (30) ist der verletzungsanfällige, aber geniale Mittelfeldspieler vom FC Valencia für besondere Momente. Aleksey und Anton Miranchuk (25) sind die beiden dominanten Spieler im offensiven Mittelfeld. Von den beiden Zwillingen spielt Aleksey für Atalanta Bergamo und Anton für Lok Moskau.

Talente: Igor Diveev (21) hat sich bei ZSKA in der Innenverteidigung durchgesetzt und strahlt auch Torgefahr aus. Roman Evgenjev (21) ist ein weiterer Vorstopper, der bei Dinamo Moskau einen Stammplatz erobert hat und schon in die Führungsrolle schlüpft.