Ist die Super League die Rettung des Fußballs?

Ist die Super League die Rettung des Fußballs?
Real Madrids Präsident Florentino Pérez ist designierter Vorstandsvorsitzender der Super League —
Foto: IMAGO / agefotostock
20.04.2021 - 18:43 | von Ben Friedrich

Am Montag wurden neben der Reform der Champions League separat davon auch Pläne für die Neugründung einer europäischen Super League veröffentlicht. Was hat es damit auf sich und kann sie als „Rettung des Fußballs“ bezeichnet werden?

Neuerungen in Sportwettbewerben können förderlich sein, stoßen zu Beginn meist auf Kritik und wollen über einen langen Zeitraum geplant sein. Der neue Wettbewerb, dessen Vorstand in Zukunft Real Madrids Präsident Florentino Pérez sein wird, soll voraussichtlich schon dieser Jahr ins Leben gerufen werden.

Was ist die Super League und wer nimmt daran teil?

Zwanzig Klubs, von denen 15 feste Mitglieder sind und fünf, die durch eine Qualifikation Zutritt erhalten, spielen eine zweigeteilte Liga mit jeweils zehn Teams aus. Nach Hin- und Rückspielen soll es Play-Offs geben, bis der Titelträger ermittelt ist. So zumindest die vorläufigen Pläne.

Als Gründungsmitglieder sind die englischen Teams FC Liverpool, Manchester United, Arsenal London, Manchester City, Chelsea London und Tottenham Hotspur genannt. Aus Spanien sollen der FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid dabei sein und aus Italien der AC Mailand, Inter Mailand und Juventus Turin.

Wann soll die Super League stattfinden?

Laut Präsident Pérez „werden wir versuchen, so schnell wie möglich zu beginnen.“ Ein möglicher Starttermin käme demnach bereits dieses Jahr in Frage, wobei TV- und Sponsoren-Verträge Termine, Teilnehmer und Modus rasch geklärt werden müssten.

Da die Ligen- und Pokalwettbewerbe nebenbei laufen sollen, fielen die Spiele auf die Wochentage dazwischen, was Terminkonflikte mit den bestehenden Wettbewerben Champions League, Europa League, Conference League sowie den UEFA- und FIFA-Länderspielterminen aufwirft. Diese sind noch nicht geklärt.

Welche Vorteile hätte die Super League?

Laut Pérez erhoffen sich die Veranstalter attraktivere Begegnungen: „Die Champions League ist ab dem Viertelfinale attraktiv. Wir (die Top-Klubs, Anm.d.Red.) müssen gegen bescheidene Mannschaften spielen, was nicht attraktiv ist.“

„Es ist attraktiver, dass wir Großen untereinander spielen, die Konkurrenzfähigkeit. Das ist attraktiv und wird im Fernsehen mehr wertgeschätzt, generiert also mehr Ressourcen.“

Fünf womöglich wechselnde Mitglieder über die Qualifikation würden für eine gewisse Fluktuation sorgen, die sportliche Abwechslung in den Wettbewerb bringen.

Welche Nachteile hätte die Super League?

  • Die relativ statische Besetzung der Liga mit festen Mitgliedern würde eine abgeriegelte Elite-Loge der Klubs formen, in die andere Teams kaum hineinkämen. Somit läuft dieses Model dem sportlichen Wettbewerb mit gleichen Möglichkeiten für alle zuwider.
  • Es ist fraglich, ob jährlich immer die ähnlichen Duelle der Top-Teams attraktiver sind als Begegnungen mit anderen Klubs aus Europa.
  • Es ist außerdem nicht sicher, dass der finanzielle Mehrwehrt aus der Liga sich wirklich ergibt. Schließlich basieren TV- und Sponsorengelder sowie Zuschauereinnahmen auf der Zustimmung in der Bevölkerung.
  • Die Teilnahme an der Super League verhindert terminlich die Teilnahme an den üblichen anderen Wettbewerben. Daher gibt es Kritik von UEFA, FIFA, von den Landes- und Ligaverbänden sowie zahlreichen Fans in Europa.
  • Es droht die Sperre der Super-League-Mannschaften für andere Wettbewerbe. Das beträfe auch Spieler der Teams, die etwa für die Länderspiele nicht mehr spielberechtigt wären.

Wird auch eine Super League im Damen-Fußball installiert?

Ja. Laut den Plänen der Organisatoren, soll auch für die europäischen Spitzenteams im Frauenfußball eine Super League gegründet werden. Teilnehmen würden aller Voraussicht nach insbesondere die Klubs der englischen Women's Premier League.

Wer gründete die Super League?

Die Ideen zur Gründung der Super League gehen auf die Achtziger Jahre zurück. Damals wurden die Pläne zwar von der UEFA abgelehnt, führten indirekt jedoch zur Reformierung des Landesmeisterpokals in die Champions League. Die ursprünglichen Pläne einer exklusiven Elite-Liga blieben weiter in der Schublade.

Laut der britischen „The Sun“ trafen sich vor fünf Jahren die Chefs der größten englischen Klubs: Chelseas Vorsitzender Bruce Buck, Manchester Uniteds Ed Woodward, Arsenal-Chef Ivan Gazidis und Manchester Citys Funktionär Ferran Soriano. Liverpools Ian Ayre nahm daran nicht teil, dafür TV-Guru Stephen Ross.

Werden auch deutsche Teams teilnehmen?

Vereine aus der deutschen Bundesliga oder anderen Ligen Europas sind nicht involviert. Es ist verständlich, dass die Super League Teilnehmer aus anderen Ligen wie der deutschen Bundesliga, der französischen Ligue 1 oder der portugiesischen Primeira Liga dazubekommen müssten, um Legitimation zu erhalten.

Bisher gibt es nur Kritik und Ablehnung aus Reihen der deutschen Vereine. Die Top-Ansprechpartner wären Dortmunds Hans-Joachim Watzke, der Ablehnung signalisierte sowie Bayerns Karl-Heinz Rummenigge, der als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees in einen Interessenkonflikt geräte, wenn er den Plänen zustimmt.

Champions-League-Reformpläne als Kompromiss?

Am Montag legte die UEFA durch Präsident Aleksandar Ceferin praktisch gleichzeitig Pläne zur Anpassung der Champions League, der Europa League und zur Vorstellung neuen Conference League vor, die man als eine Art Kompromiss und Versöhnungsangebot gegenüber den vermeintlich großen Klubs verstehen könnte.

Die Reformpläne der bestehenden Wettbewerbe und zur Neugründung der Conference-League, quasi als Revival des UI-Cups, wirken angesichts der Super League geradezu harmlos.

Hauptkritikpunkt an den neuen Champions-League-Plänen ist die Einführung von vier festen Plätzen für Teams, die sich nicht qualifiziert haben, aber in den vergangenen Jahren genügend Punkte für den UEFA-Koeffizienten gesammelt haben und somit für ein paar Jahre eine Art Freilos bekämen.

Was wird eigentlich „gerettet“?

Präsident Pérez sprach von der „einzigen Chance auf Rettung des Fußballs“. Was hat er damit gemeint? „Wir machen dies, um den Fußball zu retten, der sich in einer kritischen Situation befindet“ sagte der Real-Madrid-Boss gegenüber dem spanischen Magazin El Chiringuito de Jugones.

Wegen der Corona-Pandemie sei der Fußball in einer kritischen Phase. Viele Top-Klubs haben Schulden angehäuft. Die Champions-League-Reform käme aber zu spät, denn bis diese 2024 greift, seien „wir alle tot.“ Er schätzt die Vermarktungsmöglichkeiten der Super League als deutlich höher ein.

Wie äußern sich Funktionäre und Trainer?

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sagte: „Es war ein einschneidender Tag für den Fußball in Summe. Bis auf diese Zwölf sind alle unisono einer Meinung, dass Fußball und Sport aus Wettbewerb besteht, dass man sich mit Leistung für etwas qualifizieren kann und nicht etwas per se oder Order Mufti in Stein gemeißelt ist.“

„Dementsprechend ist es für uns ein absolutes No-Go, was da geplant ist. Wenn ich das Zitat von Herrn Pérez höre, es sei alternativlos, da es ansonsten 2024 die Großen nicht mehr geben würde, dann weiß ich nicht, ob es der Klub der Superreichen oder der Super-Verschuldeten ist.“

„Klubs, die deutlich über ihren Verhältnissen gelebt haben und die jetzt mit dieser Super League versuchen, ihren A**** zu retten. Deshalb hoffe ich, dass sich der Fußball dagegen auflehnt, dass klare Positionen bezogen werden.“

Bemerkenswerterweise positionierte sich auch Liverpools Trainer Jürgen Klopp unverändert gegen die Pläne, obwohl sein Klub mutmaßlich Mit-Initiator ist: „Der Klub ist größer als wir alle. Die Entscheidung der Eigner ist nur ein Teil des LFC. “

„Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist. Seit ich im Profifußball bin, gibt es die Champions League. Ich hatte immer das Ziel, dort eine Mannschaft zu trainieren. Ich habe offensichtlich kein Problem mit der Champions League, und mir gefällt auch der Wettkampfcharakter im Fußball.“

„Mir gefällt, dass West Ham nächstes Jahr in der Champions League spielen könnte. Natürlich will ich das nicht, weil wir da spielen wollen, aber mir gefällt, dass sie die Chance dazu haben.“

Kommt die Super League in jedem Fall?

Noch ist es fraglich, ob die Einführung des neuen Wettbewerbes so reibungslos vonstatten geht, wie es sich die Initiator-Klubs vorstellen. Mehrere vertragliche und vor allem rechtliche Hürden müssen zuvor übersprungen werden.

Laut der deutschen Presse-Agentur geht DFL-Geschäftsführer Christian Seifert davon aus, dass sich die zwölf Vereine vor ihrer Ankündigung der Super League alle rechtlichen Schritte überlegt hätten: „Insofern erwarte ich, dass es da einen sehr, sehr langen und harten und unter Umständen auch schmutzigen juristischen Kampf geben wird.“