Cesare Prandelli tritt als Trainer vom AC Florenz zurück

Cesare Prandelli tritt als Trainer vom AC Florenz zurück
Cesare Prandelli als Trainer der Fiorentina mit Franck Ribéry —
Foto: IMAGO / HochZwei/Syndication
24.03.2021 - 16:12 | von Ben Friedrich

Am Dienstag trat Florenz-Trainer Cesare Prandelli auf eigenen Wunsch von seinem Posten zurück. Mit sofortiger Wirkung übernimmt Vorgänger Giuseppe Iachini.

Prandelli war schon einmal Trainer der Fiorentina von 2005 bis 2010, wurde damals im Juni entlassen. Seit November 2020 war er in das Amt als Nachfolger von Giuseppe Iachini zurückgekehrt, der jetzt mindestens bis Saisonende wieder die Geschicke des Tabellenvierzehnten übernimmt.

Der 63-jährige ehemalige Nationaltrainer Italiens (2010-2014) begründete seine Entscheidung in einem bewegenden Brief: „Das ist das zweite Mal, dass ich die Fiorentina verlasse. Das erste Mal war es auf Geheiß anderer, heute ist es meine eigene Entscheidung.“

Cesare Prandellis Brief in Auszügen

„In diesem Moment meines Lebens befinde ich mich in einem absurden Unbehagen, das es mir nicht erlaubt, das zu sein, was ich bin. Ich habe diese neue Erfahrung mit Freude und Liebe angenommen, auch mitgerissen vom Enthusiasmus der neuen Eigentümer.“

„Und es ist wahrscheinlich zu viel Liebe für die Stadt, für die Erinnerung an die schönen sportlichen Momente, die ich dort erlebte, dass ich blind war für die ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmte, etwas nicht genau an seinem Platz in mir war.“

„Meine Entscheidung wird von der enormen Verantwortung diktiert, die ich in erster Linie für die Spieler und für den Verein habe, aber nicht zuletzt für den Respekt, den ich den Fans vom AC Florenz schulde.“

„Wer auf diesem Niveau auf das Spielfeld geht, hat zweifellos ein bestimmtes Talent. Wer Talent hat, ist sensibel und ich würde nie wollen, dass mein Unbehagen wahrgenommen wird und die Leistung der Mannschaft beeinträchtigt.“

„In diesen Monaten ist ein Schatten in mir gewachsen, der auch meine Sicht der Dinge verändert hat. Ich bin hierher gekommen, um 100 % zu geben, aber sobald ich das Gefühl hatte, dass dies nicht mehr möglich war, habe ich beschlossen, zum Wohle aller einen Schritt zurückzutreten.“ (...)

„Mir ist bewusst, dass meine Trainerkarriere hier enden könnte, aber ich bereue nichts und will auch nichts bereuen. Wahrscheinlich ist diese Welt, an der ich mein ganzes Leben lang teilgenommen habe, nichts mehr für mich und ich erkenne mich darin nicht wieder.“

„Sicherlich habe ich mich verändert und die Welt dreht sich schneller als ich dachte. Deshalb denke ich, dass es jetzt an der Zeit ist, aufzuhören, sich von dieser Geschwindigkeit mitreißen zu lassen und anzuhalten, um herauszufinden, wer ich wirklich bin.“